Die olle Schwuchtel

Zur schwulen Sprachgeschichte gehört neben der Klärung des eigentlichen Begriffes noch ein weiteres Wort, das seinen Weg in den Sprachgebrauch der Menschen gefunden hat. In der Umgangssprache von Jugendlichen und als Schimpfwort wird auch teilweise das Wort Schwuchtel verwandt. Dieser Begriff, der im Unterschied zu „der Schwule“ (grammatikalisch) ein weiblicher Begriff ist, wird fast immer – sofern nicht quasi intern und scherzhaft verwendet – mit einer negativen Besetzung verwendet.
Davon werden bisweilen weitere Wortbildungen abgeleitet, beispielsweise das in abwertender Weise eine effeminierte Art des Handelns unterstellende und für beliebige Tätigkeiten verwendete „herumschwuchteln“. Diese auf der noch immer bestehenden Diskriminierung von Frauen und damit verbunden des sprachlich Weiblichen basierende Praxis versucht, die seit den 1970er Jahren zunächst offensive und schließlich erfolgreiche positive Besetzung von „schwul“ (siehe Wortgeschichte) zu unterlaufen.

Ähnlich werden Verkleinerungsformen verwendet („Schwuli“) – auf Nachfrage wird manchmal die herabsetzende Bedeutung solcher Bezeichnungen ins Gegenteil verkehrt, etwa in angebliche Freundlichkeit: es wird also versucht, die durch sprachliche Verkleinerung ausgedrückte Weigerung, bestimmte Menschen für voll zu nehmen, als Sympathiebeweis zu tarnen.

Schwule Linguistik
"Schwul" an sich
helix - 18. Okt, 10:05
2 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
ondamaris (anonym) - 19. Okt, 08:38
auf dauer wird wohl bei der bewertung der begriffe auch eine rolle spielen, wie gelassen oder angepisst schwule selbst mit der begriffswahl umgehen. bin ich stolz, schwuler zu sien? und wie sieht's aus, wie reagiere ich, wenn ich schwuchtel genannt werde? gelassen, oder gereizt? oder gar aggressiv?
rene (anonym) - 21. Okt, 23:06
@ondamaris
wen das schockt und wer gereizt reagiert, der hat sich selbst nicht 100% akzeptiert. und unwissenheit kann man mit agression wohl schlecht bekämpfen... schöner artikel, btw.
wen das schockt und wer gereizt reagiert, der hat sich selbst nicht 100% akzeptiert. und unwissenheit kann man mit agression wohl schlecht bekämpfen... schöner artikel, btw.

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