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Pornos sind so erfolgreich wie totgeschwiegen. Riesige Umsätze, aber niemand will es gewesen sein. Doch die Erotikindustrie verdient sich nicht nur selbst eine goldene Nase. Sie ist zugleich der Motor für die Unterhaltungselektronik. Neue Videomedien, schnellere Internetanschlüsse oder die Erschließung neuer Vertriebsmodelle: Die Pornobranche gibt das Tempo vor.

Laut der britischen Wochenzeitung "The Economist" setzt die Pornobranche weltweit etwa 20 Milliarden Dollar um und ist in den USA umsatzkräftiger als Film- und Musikindustrie zusammen. Die Erotikunternehmer sind besonders fix, wenn es darum geht, neue Vertriebskanäle für ihre Werke zu finden: Egal ob Internet, Handy oder Datenträger, das Geschäft mit der Lust sucht sich stets neue Wege.

Wenn es um Medien für Videos geht, hatte die Erotikbranche schon immer das letzte Wort. Sie sorgte für den Durchbruch der VHS-Kassette, forcierte die Verbreitung der DVD und beeinflusst auch die aktuelle Wahl zwischen HD DVD und Blu-ray entscheidend mit: Anfang der Achtzigerjahre kippten Erotikfilme die Waage zu Gunsten der billigeren, aber technisch unterlegenen VHS-Kassette. Das Konkurrenzformat Video2000 blieb wegen des Pornoverbots des Entwicklers Philips jugendfrei, Abspielgeräte für Betamax, dem Dritten im Bunde, waren teuer, und so entschied sich die Erotikbranche schließlich für VHS. Und mit ihr entschied sich auch der Konsument. Jahre später war es auch eher die Sexindustrie als Hollywood, die das Magnetband für tot erklärte und sich die Möglichkeiten der neuen DVD zunutze machte.

Beim aktuellen Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen HD DVD und Blu-ray wird das Verhalten der Sexindustrie von den Medien besonders aufmerksam beobachtet. Denn die Erotikproduzenten haben schon mehr als einmal den Ausschlag gegeben, welche Formate sich letztlich durchsetzten. So setzt US-Branchengröße Vivid auf Blue-ray. Von ihnen stammen ein Drittel aller in den USA verkauften Porno-DVDs. Ein wichtiger Punkt für die Industrie sind die Kopierschutzmaßnahmen. GAPA, ein Interessenverband der amerikanischen Pornoproduzenten, gibt an, dass jährlich knapp zwei Millarden Dollar Schaden durch illegale Kopien entsteht.

Auch mit dem Internet gingen die Erotikproduzenten schon früh eine Symbiose ein: Auf Sexseiten gab es bereits verschlüsselte Anmeldungen und Kreditkartenzahlung, bevor das Wort "E-Commerce" überhaupt bekannt war. Technisch legte die Erotikbranche vor: Pay-per-view, Videoportale: Alles Dinge, die für die Erotikanbieter alte Hüte sind. So könnte man vermuten, dass auch die rasante Verbreitung der Breitbandanschlüsse zu einem Teil dem Verlangen nach erotischen Downloads geschuldet ist. Schließlich macht das Datenaufkommen von Erotikinhalten laut einer aktuellen Studie der NPD-Group 60 Prozent des gesamten Filesharing-Datenverkehrs im Netz aus. Florian Koch von Bitkom hält dies allerdings nur für einen Teilaspekt: "Die stark steigende Zahl von Breitbandanschlüssen hat viele Gründe: Hier ist neben dem immer umfangreicheren Angebot von Inhalten im Netz vor allem der stark fallende Preis für einen schnellen Internetanschluss zu nennen."

Wenn es eine neue Möglichkeit gibt, Inhalte multimedial unters Volk zu bringen, sind es fast unter Garantie erotische Inhalte, die als erstes dafür zu haben sind. Ob die erwähnten Internetportale, kostenpflichtige Rufnummern - die sogenannten "Mehrwehrtdienste" über die Vorwahlen 0900 und zuvor 0190 - oder Foto- und Videodownload aufs Handy. Stets sind die Sexanbieter die Vorreiter. Das Geschäft mit der Lust expandiert mit hoher Innovationsfreude trotz der immer noch annähernd tabuisierten Stellung in der Gesellschaft.

Exakte Zahlen für diese Phänomene gibt es nicht. Auch die Vertreter der IT- und Telekommunikationsbranche haben keine Zahlen zur Hand und können den Einfluss der erotischen Angebote nur schätzen. Die beeindruckenden Zahlen der Pornoindustrie lassen jedoch erahnen, dass die Tragweite der Pornografie weiter reicht, als viele sich vorstellen können. netzwelt
helix - 12. Mai, 17:04
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